Stadtbaukunst neuer und alter Zeit vom 20. November 1928
Von Max Feige und G. A. Wolf f.

Seite 29 / Einleitung
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Die Zylinder dieser Lampen wurden innen mit Flußsäure geätzt und außen mit Sandstein mattiert. Hierdurch wird die starke Lampe im Zylinder durch ein vollständig gleichmäßiges Licht erhellt. (Bilder 36-38.)

Zum Schluß wären noch die türkischen Bronzeampeln im türkischen Cafe zu erwähnen, die auf Filigran in Bronze gegossen sind. Der Filigrandurchbruch wurde handarbeitlich hergestellt und der Durchbruch mit bunten Glaskristallen versehen, so daß eine ganz besonders originelle irisierende Beleuchtung erzielt wurde. (Bilder 34 und 35.)

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In dem umfangreichen Betrieb des „Hauses Vaterland" nimmt selbstverständlich auch die Musik einen großen Raum ein. Die Klangfülle der guten Orchester im Ballsaal, auf der Rheinterrasse und in Wild-West wird durch die Flügel des Hauses Niendorf, Berlin W 9, unterstützt. Diese Flügel von 1.65 m Länge besitzen eine hervorragende Tonschönheit. Auf der Rheinterrasse steht ein schlichtes, schwarzes, in Wild-West ein Instrument in braun-eichenem Gehäuse. Das Prunkstück bildet der Salonflügel im Ballsaal mit geschnitzten und geschweiften Füßen, die der Architektur des Raumes angepaßt sind. Die Vergoldung des Gehäuses in einem neuen Spritzverfahren wirkt außerordentlich dekorativ. (Bild 39.)

Ein Teil der Linoleumarbeiten und Kokosläufer wurde der Firma C. Bargende in Charlottenburg übertragen, die mit einfarbigem Walton-Linoleum in brauner und grüner Ausführung sämtliche Treppen, sämtliche Büros, alle Umkleideräume sowie die Künstlergarderoben ausgelegt hat. Zur Verwendung kamen etwa 1200 qm. Die bereits seit Jahrzehnten bestehende Firma bürgt für die Qualität ihrer Fabrikate und Arbeiten. Mit den im „Vaterland" ausgeführten Arbeiten hat sie einen neuen Beweis ihrer Leistungsfähigkeit gegeben.

Außer der ziemlich umfangreichen Linoleumlieferung ist auch noch der rote Kokosläufer zu nennen, der die Treppe zur Rheinterrasse bedeckt. (Bild 23.)

In durchaus hygienischer Weise wurden zur Ausstattung des Hauses eine Reihe von Räumen mit Linoleum in geschmackvollen Mustern und Farben ausgelegt. Der Belag, der von der Fa. Schulzke & Claßmann geliefert wurde, wirkt außerordentlich dekorativ. Zu erwähnen ist das Fliesenlinoleum der Rheinterrasse. Das Grinzingrestaurant ist mit Granitlinoleum versehen, das sich in seinem Muster dem Charakter des Raumes anpaßt. In der Wild-West-Bar wurde ein Moiree-Linoleum zur Anwendung gebracht. Geschmackvoll und zweckmäßig ist auch der Belag im Czardas-Orchester sowie in den Garderoben zum Löwenbräu, zum Haupteingang des Grinzingsaales, der Orchestergang im alten Cafe, der Lagerraum in der Zentralküche, der Mittelgang zu den Telephonzellen sowie diverse Installations- und Kellerräume, das Küchenchefzimmer, das Podium zum Löwenbräu usw. Die Lieferungen der Fa. Schulzke & Claßmann in verschiedenen Qualitäten sind auch infolge ihres Umfanges erwähnenswert, da etwa 4000 qm zu Verwendung kamen. (Bilder 26-29 und 37.)

Aktualisiert am: Mittwoch, 5. April 2006
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