Stadtbaukunst neuer und alter Zeit vom 20. November 1928
Von Max Feige und G. A. Wolf f.

Seite 28 / Einleitung
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Sämtliche Garderobenschränke aus Stahl für das Personal, die Künstler usw. stammen von der Firma Wolf Netter & Jacobi Werke. Die Schränke sind 35 cm breit, 50 cm tief und 186 cm hoch und innen mit Hutböden, Schrankstange, Schirmklammern mit Abtropfschalen und verschiedenen Luftschlitzen versehen. Durch ihre Konstruktion sind sie sehr dauerhaft, stabil und von unbegrenzter Haltbarkeit.

Ein zweites Modell besteht aus einem dreiteiligen Gruppenschrank in eleganter glatter Ausführung aus Stahlblech. Dieser Schrank hat einen Vorbau mit zwei verschließbaren Fächern zur Aufbewahrung von Wäsche und Schuhzeug für Künstler, Musiker und Kellner. Der obere Teil dieses Schrankvorbaues kann durch Auflage einer Vorlage als Bank beim An- und Auskleiden benutzt werden.

„Haus Vaterland" ist eine Abendschönheit. Erst wenn alle Lampen in hellster Beleuchtung und vor Begeisterung entflammt sind, wirkt die Schönheit dieses Baues, nicht zuletzt durch den Geschmack der Leuchtkörper, an deren Lieferung die bekannte Kronleuchterfabrik Siegel & Co. maßgebend beteiligt war. Sie lieferte für die Bodega etwa 15 kunstgeschmiedete Laternen aus Eisen, die nach alten spanischen Motiven hergestellt wurden, deren Verglasung, ebenfalls nach spanischen Motiven, aus altem Kirchenglas besteht; für die Rheinterrasse Bronzearme in Antik-Gold mit mattierten Eisgläsern aus Kristallglas und angeschliffenen Kristallfacetten. Diese Lichtkörper sind besonders erwähnenswert, weil es sich hier um ein neues Verfahren handelt, das Siegel & Co. erst neuerdings ausführt. Alle für „Haus Vaterland" für Lichtzwecke verwandten Siegel-Gläser sind rückseitig mit Sandsteingebläse mattiert, wodurch trotz Verwendung hochkerziger Lampen absolut blendungsfreies Licht erzielt wird. In Grinzing fallen die Laternen und Windlichter besonders deswegen auf, weil sie den alten Laternen, die noch heute in Grinzing verwandt werden, getreu nachgeahmt sind. (Bilder 25-29.)

Auch der Bayernsaal erhielt von Siegel & Co. etwa 60 kunstgeschmiedete, im Feuer bearbeitete Beleuchtungskörper. Dieses Verfahren wird noch heute in Süddeutschland von Kunstschmieden in der bekannten charakteristischen Art ausgeführt. (Bilder 30 und 31.)

Außerordentlich interessant ist die Herstellung der Stall-Laternen in Wild-West gewesen, die sich von den jahrzehntelang im Gebrauch befindlichen keineswegs unterscheiden. Diese Wirkung wurde dadurch erzielt, daß die Lampen mit Öl gespritzt und dann abgebrannt wurden. Die Czardas erhält eine Beleuchtung mit dem alten bekannten Hängelampen, die mit großem Dachschirm versehen sind.

Aktualisiert am: Mittwoch, 5. April 2006
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