Stadtbaukunst neuer und alter Zeit vom 20. November 1928
Von Max Feige und G. A. Wolf f.

Seite 10 / Einleitung
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Die Glasmalerei hat in den neuen Räumen des „Hauses Vaterland", je nach der architektonischen Aufgabe der betreffenden Verglasungen, auf zweierlei Art Verwendung gefunden.

I. In dem Raume des Münchener Löwenbräus umsäumt ein großer Bogenfries mit bildlichen Darstellungen zum Thema München das Panorama, das hierdurch die eigentliche Tiefe erhält. Der figurenreiche und wappengeschmückte Fries, der wegen der erforderlichen Durchsichtigkeit des Glasgemäldes stets von rückwärts beleuchtet ist, zeigt das Leben Münchens und seiner Umgebung. Von links zieht ein vollbeladener Erntewagen in die Stadt hinein, rechts spielen sich Szenen des Oktober-Festes ab. Den Scheitel des Bogens füllen wappenhaltende Brauer aus. Der Entwurf zu dem Glasgemälde stammt von dem Maler Robert Benesch, Wien, die Ausführung des komplizierten Glasbildes älterer Technik erfolgte in den Vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei, Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff, Berlin-Treptow. (Bild 30.)

II. Aus denselben Werkstätten sind sodann die in ihrer Aufteilung und Farben durchaus modern gehaltenen Treppenbauverglasungen, nach Angabe des Architekten Stahl-Urach, hervorgegangen. Die raumabschließende Wirkung dieser mehrteiligen und hohen „Fensterwände" fällt jedem Besucher sofort auf.

Hierbei handelt es sich darum, daß eine Technik gefunden wurde, die nicht nur die Durchsichtigkeit und Lichtregelung der Fenster bei Tage, sondern vor allem auch ihre künstlerische, farbige Wirkung bei dem auffallenden Licht der abendlich erhellten Treppenhäuser gewährleistet. Diese Kunstverglasung hat eine rein architektonische Funktion, die ihre Aufgabe durch helle, sogenannte Emaille-Gläser mit farbiger Überzugsbemalung und einer reizvollen Belehrung durch den Glasschliff erfüllen. Während die Fenster der einen Treppe rot und schwarz auf weißem Gewand gemustert sind, herrscht in der anderen das Gelb vor. Diese Verglasungen in ihrer strengen, in sich rhythmischen Aufteilung der einzelnen Felder weisen noch den Vorteil auf, daß sie auch im Äußeren des Baues, beim Blick von der Straße her, wirkungsvoll zur Geltung kommen. (Bilder 19-24.)

Aktualisiert am: Donnerstag, 6. April 2006
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