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Stadtbaukunst neuer und alter Zeit vom 20. November 1928
Von Max Feige und G. A. Wolf f.

004 / Einführung
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Berlin ist um eine Sehenswürdigkeit reicher. Kommt der Einheimische oder Fremde am Potsdamer Platz vorbei, so wird er vielleicht keine besondere Veränderung wahrnehmen, es sei denn, daß das alte Gebäude mit der Kuppel zwischen der Köthener und der Straße am Potsdamer Bahnhof eine unmerkliche aber doch wesentliche Verjüngung und Modernisierung zeigt. Der ganze Platz mit der charakteristischen Architektur des Gebäudes, in dem sich seit Jahrzehnten das Cafe Vaterland befindet, erscheint verjüngt.

Nach den wechselnden Geschicken, die dieses Haus im Laufe der Zeit genommen hatte, zuletzt regierte dort die größte deutsche Filmgesellschaft, die Ufa, die auch jetzt noch eines ihrer repräsentativsten Theater dort unterhält übernahm die bekannte Firma M. Kempinski & Co. das Gebäude, d. h. eigentlich übernahm sie außer dem Grund und Boden nur die verjüngte Außenfassade. Dieser Bau, der mitten im Brennpunkt des immer mehr steigenden Berliner Verkehrs steht, bildet nach seinem Umbau richtiger hieße es Neubau einen wirkungsvollen Anziehungspunkt für Fremde und Einheimische.

Die Umwandlung, die dieser Kempinski-Bau nach der Idee des schöpferischen Direktors Leo Kronau erfahren hat, ist besonders überraschend für die Wenigen, die den alten Bau in seiner ursprünglichen Form gekannt haben.

Kaum ein Stein ist auf dem anderen geblieben. Architekt Stahl-Urach hat die Phantasie von Leo Kronau verwirklicht und die Pläne zu diesem Märchenbau entworfen, In seiner fachkundigen Hand nahmen die Vorschläge Leo Kronaus Gestalt, Form und Farbe an. Die schwierige Aufgabe wurde von den bauleitenden Baumeistern Fritsche und Mayer unterstützt.

Beide haben darüber gewacht, daß die Wirklichkeit sich dem vorschwebenden Ideal soweit wie möglich näherte. Alles war selbstverständlich nur mit Hilfe unserer hoch entwickelten Technik, deren Wirkungen das Publikum verblüffen, möglich. Trotzdem sieht man von der Technik dieses Wunderbaues nur sehr wenig, da es der technische Leiter der Kempinski-Betriebe, Dip.-Ing. Koninski verstanden hat, alles vom Publikum fernzu-halten, was daran erinnert. Und doch ist gerade die vollendete Technik das Interessante an diesem Bau, der voraussichtlich für lange Zeit führend bleiben wird. Von den blitzenden Küchen mit ihren ungefähr 80 Köchen und 120 Mann Hilfspersonal, von der raffinierten Methode, mit der Speisen und Getränke frisch ge-halten werden, von der technischen Organi-sation, der Rohr-postanlage für Bestellungen, vom laufenden Band für benutztes Geschirr und der automatischen Abwasch- und Abtrocknungs-maschine sieht das Publikum nichts. Der Gast soll sich wohl-fühlen in einem Hause, über dessen Geschmack wie über jede bahnbrechende Neuheit sich streiten läßt, das aber vorbildlich auf dem Gebiete des Gastwirtsgewerbes wie alle Kempinski-Lokale ist.

Aktualisiert am: Dienstag, 11. April 2006
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