<-- Links keine Menüleiste? Klicken Sie hier: Startseite

Haus Vaterland Berlin - Der Bau "Haus Potsdam" Deutsche Bauzeitung 1912
Sie sind hier
Dt. Bauzeitung 1912

Den ersten Teil des Artikels in der Deutschen Bauzeitung vom 21. Februar 1912 über den Bau des Haus Potsdam können Sie hier im folgenden lesen, der komplette Artikel folgt im Laufe des April 2004 (wieder keine Zeit gehabt, aber ich bekomme auch diese Seite noch fertig) auch die Bilder und Pläne zum Artikel folgen. Klaus Lindow

Erste Bilder aus der Bauzeitung am Ende des Artikel.


Deutsche Bauzeitung vom 21. Februar 1912 Seite 145 und folgende. Quelle Berliner Senatsbibliothek.

Der vordere Teil des Häuserblokkes, welcher bis vor Jahresfrist am Potsdamer Platz zwischen der östlichen fiskalischen Straße am Potsdamer-Bahnhof und der Köthener Straße lag, beschäftigte seit Jahren die Bauspekulation. Nunmehr ist eine teilweise Neubebauung dieses Blockes zur Tatsache geworden, indem die Eigentümerin der vorderen sechs Grundstücke, die Bank für Grundbesitz und Handel in Berlin, durch den Geh. Brt. Prof. F. Schwechten in weniger als Jahresfrist dort einen langgestreckten stattlichen Neubau errichtet hat, der seines erheblichen Umfanges wegen dem östlichen Teil des Potsdamer-Platzes ein neues Gepräge verleiht. Der Neubau weist nämlich bei 26 m Gebäude-Tiefe 93 m Frontwand-Ausdehnung auf, während der kuppelbekrönte runde Kopfbau an der Königgrätzer-Straße das Straßen-Gelände um mehr als 35 m überragt.

Bei der Grundrißlösung dieses Bauwerkes, vergl. Abbildung l, S. 147, ist der an sich nahe liegende Versuch, an der fiskalischen Straße Fensterrecht zu erwerben, nicht unternommen, sondern vielmehr durch Anordnung der Gebäudeflucht in dem vorgeschriebenen Abstand von 6 m von der Nachbargrenze die gesetzmäßige Hoffläche dort bei Vermeidung von Innenhöfen geschaffen worden. Dabei reicht dieser Hof im Süden nicht ganz bis zum Nachbargiebel, sondern ist vielmehr durch einen der Hofbreite entsprechenden, 6m breiten Querflügel, der als Treppenhaus dient, gegen den Nachbargiebel abgegrenzt. Am vorderen Teil der fiskalischen Straße und an der Königgrätzer Straße tritt die Gebäudeflucht noch über Erfordernis zurück. In der Köthener Straße hingegen ist das Gebäude seiner ganzen Länge nach mit den Außenfluchten in die Straßenbauflucht gerückt.

Unter dem Gelände der fiskalischen Straße, hart bis an die Nachbargrenze, erstreckt sich übrigens der Tunnel der Berliner Hoch- und Untergrundbahn, während über der Straßenfläche eine fiskalische Mauer die Nachbargelände trennt. Diese Mauer und die nahe liegende, gleichfalls fiskalische alte Kirchhofsmauer am Potsdamer-Platz erregen wegen ihres wenig guten Aussehens einerseits und der von ihnen bewirkten Einengung des Verkehres anderseits schon lange die Kritik der in Berlin weilenden Fremden und die stets rege Spottlust der Berliner Bevölkerung. Die nachfolgende Darstellung verfolgt das Ziel, die bei diesem Neubau gewählten Konstruktionen zu schildern welche, durch Grundriß-Anordnung und besondere Verwendungsarten des Gebäudes bedingt, teilweise von den im Hochbau sonst üblichen Formen nach Größe der Abmessungen und durch sonstige Eigenart abweichen.

Allgemeine Anordnung. Bezüglich der äußeren Formgebung des Gebäudes ist zu unterscheiden

zwischen dem im Grundriß etwa Zweidrittel-Kreisform zeigenden Kopfbau an der Königgrätzer-Straße, der,wie schon erwähnt, von einer vollen, im Grundriß kreisrunden Kuppel bekrönt ist, und dem sich anschließenden, langgestreckten, niedrigeren Teil nebst dem erwähnten Querflügel am Nachbargiebel (vergl.den Längsschnitt Abbildung 2.) Dem Langbau dient als oberer Abschluß ein Mansarddach, das in Art des Berliner Barock ein voll ausgebautes unteres Geschoß enthält, dessen Frontwände gegen die daruntergelegenen Hauptfrontwände zurücktreten (vergl. • Querschnitt Abbildung 5). Letztere verlaufen dabei, den Seitenbegrenzungen des Grundstückes entsprechend, nicht parallel, sie weisen vielmehr am Rundbau die größere, am Nachbargiebel die kleinere Gebäudetiefe auf.

Das Haus soll vorwiegend als Bürohaus Verwendung finden, was dahin führte, zunächst nach

Möglichkeit die Anordnung von Zwischen- und von Scheidewänden zu vermeiden. Notwendige Ausnahmen ergaben sich nur bei der Umschließung der Treppenanlagen, die in größerer Anzahl angeordnet werden mußten (Abbildung 1). Eine ist unmittelbar am Rundbau an der Köthener Straße, eine andere bereits erwähnte im kleinen Querflügel am Nachbargiebel vorgesehen, zwei weitere ebenfalls dort liegende dienen besonderen Zwecken und reichen nur bis zum II. Stockwerk. Im Mittelteil des Gebäudes sind eine Palernoster-Fahrstuhlanlage sowie die Haupttreppe angeordnet, welch' letztere durch zwei weitere Nebentreppen flankiert wird.die wiederum besonderer Benutzung dienen und in Fußbodenhöhe des I. Obergeschosses enden.

Weitere leichte Wandumschließungen erfordern auch drei Lichthöfe, die in derHauptachse des Gebäudes liegen, wobei der vordere bis zur Decke des ersten, der hintere bis zur Decke des zweiten Stockes, der mittlere endlich bis zum Kellergeschoß hinabreicht; schließlich auch die notwendigen Toilettenräume. Einzelne Teile des Gebäudes sind, wie schon erwähnt, für besondere Zwecke abgesondert. Zunächst finden nämlich die Räume des Erdgeschosses und I. Stockes, welche den gesamten vorderen, bis zur Haupttreppe reichenden Teil umfassen, für ein großstädtisches Kaffeehaus Verwendung. Hier ist die Decke des Erdgeschosses im mittleren Teil offen gelassen, sie erhält damit Galerieform. Der Teil des Gebäudes, welcher zwischen der Haupttreppe und dem Nachbargiebel liegt, nimmt im Kellergeschoß unter anderem 6 Kegelbahnen und im Erdgeschoß ein Bier-Restaurant nebst den Empfangsräumen für das I. und II. Stockwerk auf, die dort zu einem Saalbau zusammengezogen sind. Dieser 1200 Sitzplätze enthaltende, der Vorführung von Lichtspielen dienende Saal erstreckt sich über die ganze Tiefe des Gebäudes. Seine Decke trägt unter Vermeidung von Innenstützen die darüber befindlichen normal gebauten zwei Geschosse und das obere Dachgeschoß. (Vergl. den Querschnitt Abbildung 5, S. 145 und den Grundriß des I. Obergeschosses, Abbildung 4, S. 147.)

In mittlerer Höhe des Saalraumes sind breite, von den Frontwänden aus gleichfalls freitragende Galerien angeordnet, während der an der Treppenhauswand liegende breite Galerieausbau nur in seinem mittleren Teil zwei leichte, hier nicht störende Zwischenstützen aufweist. Am Nachbargiebel enthält der Raum Einbauten und Einrichtungen großen Maßstabes für die kinematographischen Vorführungen.

Weiterhin ist eine Unterscheidung der Gebäudeteile möglich nach den für ihre Errichtung getroffenen konstruktiven Maßnahmen, indem nämlich der runde Kopfbau und der am entgegengesetzten Ende liegende, den Saalbau enthaltende Gebäudeteil durchweg als freistehende, in sich standfähige Eisenkonstruktionen errichtet sind, welche auch die in Sandstein vorgeblendeten Frontwände im vollen Umfang mit tragen helfen, während der zwischen den genannten beiden Gebäudeteilen liegende Abschnitt, der in den unteren Geschossen den durch gerade Wände begrenzten Teil des Cafes einerseits und daneben das Haupttreppenhaus anderseits enthält, nur in üblicherWeise durchgemauerte, außen in Sandstein verblendete Frontwände und innen durch eiserne Stützen getragen wird.

Bei den zuerst genannten Gebäudeteilen, welchen die nachfolgenden Ausführungen vorwiegend gelten, wurde die erwähnte Ausführungsweise notwendig, weil infolge der hohen Eigengewichts-, Nutz-und Wind-Lasten die Frontwandpfeiler bei normaler Ausführung in Mauerwerk teilweise derart große Abmessungen erfordert hätten, daß die entstehende Verringerung der nutzbaren Fläche aller Geschosse eine nennenswerte Minderung der Rentabilität des Hauses herbeigeführt hätte. Zu diesen konstruktiven Maßnahmen sei nun Folgendes ausgeführt.

Rundbau nebst Langbau bis zum Haupttreppenhaus. Die Achsenteilung beträgt durchweg 5,2m. Die zehn Frontwandpfeiler des Rundbaues liegen in den Ecken eines regelmäßigen Vierzehneckes, von dem jedoch nur 9 Seiten vorhanden sind. Eine doppelte Reihe Innensäulen ist im Langbau vorhanden, die sich im Rundbau zu einem Halbkreis zusammen schließen. Die sich gegenüber stehenden Innensäulen des Langbaues im Cafe stehen den Frontpfeilern normal gegenüber und im gleichen Abstand von 10,4 m von einander; die in gleichen Querfluchten liegenden Stützen der darüber liegenden Geschosse versetzen sich dagegen um 0,95 m nach innen, haben also nur noch 8,5m Abstand. In der vollen Halbkreisfläche des Rundbaues entsprechen den dort vorhandenen sieben Frontwandpfeilern nur zwei Innenpfeiler, welche in zwei Ecken eines regelmäßigen Sechseckes liegen.

Durch diese Stützenstellungen und durch die Forderung einer guten Decken-Untersicht war die Lage der Decken-Unterzüge und der Kappenträger der Flachziegelkappen, welche die Deckenflächen bilden, bestimmt. So liegen die Unterzüge im geraden Teil und anschließend im Rundteil bis zum Mittelpunkt hin in den Fluchten der Pfeiler und Innenstützen, und zwar normal zur Hauptachse. Im vollen Halbkreis des Rundteiles liegen die Unterzüge der Randfelder auf den Frontwandpfeilern, die des Mittelfeldes ebenso auf den beiden Innenstützen, radial angeordnet. Soweit die Innenstützen dem Rundteil angehören, verbindet sie fortlaufend ein besonderer Unterzug, der vorn, der Frontwand gleichlaufend, Halbkreisform aufweist. Auf diesen Teil stützen sich die inneren Endigungen der radial verlegten Unterzüge der Randfelder, weil sie die Innenstützen nicht unmittelbar treffen.

Die Träger, welche in jeder Decke die zehn eisernen Stützen der runden Frontwand fortlaufend miteinander verbinden (vergl. die in den Grundrissen eingeschriebenen Profilgrößen), erhielten ihre Abmessungen weniger mit Rücksicht auf lotrechte Belastung, die von geringer Deckenlast und von den runden Fensterbrüstungen herrührt, ihre Hauptaufgabe liegt vielmehr in ihrer Wirkung als Riegel, die mit den Stützen einen Reihenrahmen (auf Kreislinie) bilden. Letzterem fällt nämlich in Verbindung mit einem vom Kellerfußboden bis zum oberen Dachgeschoß des Langbaues reichenden Fachwerkständer, der auf der Seite der Köthener-Straße hart am Rundteil in der Flucht der ersten Treppenhaus-Querwand liegt (Teilquerschnitt, Abbildung 6, S. 146), die Aufgabe zu, neben den entsprechenden lotrechten Lasten alle hier in Frage kommenden wagrechten Windkräfte des Kuppelbaues und eines Teiles des Langbaues (halbe Risalitbreite) in die Fundamente zu übertragen. Dabei bildet die letzte Rundwandstütze den äußeren, die ihr zunächst liegende Innenstütze den inneren Ständergurt. Die Höhe der einzelnen Gefache des Gitterständers ist derjenigen der zugehörigen Geschosse gleich. Diese organisch wichtigen Bauglieder werden weiterhin noch ausführlichere Besprechung erfahren.

Der Dachaufbau des hier in Betracht kommenden Teiles des Langhauses unterscheidet sich von dem des Saalbaues nur insoweit, als hier die Haupt-Frontwände massiv gemauert und die übrige innere Tragkonstruktion der darunter liegenden Stockwerke in einfacher Art durch Decken-Unterzüge und Innenstützen, wie vorstehend bereits beschrieben, gebildet werden. Mit Rücksicht auf die gleichfalls nachfolgende Besprechung des Saalbaues, bei welcher seine Dachkonstruktion geschildert wird, erübrigt sich hier Weiteres. - (Fortsetzung folgt.)


Aktualisiert am: Dienstag, 8. Juni 2004
info@haus-vaterland-berlin.de
www.haus-vaterland-berlin.de